Das Lauf- und Wandervirus

 

Ach, was wird in diesen Tagen nicht alles darüber berichtet, geschrieben, gesprochen, in welcher Form auch immer. Corona ist, sagen wir es im Bilde: in aller Munde! Der Klassiker von Albert Camus „Die Pest“ erfährt eine Renaissance. Das Buch geht derzeit weg wie warme Semmel, fast wie damals, als es auf den Markt kam und zum Weltbestseller avancierte.

Zugegeben: Auch ich widme mich in diesen Tagen diesem Klassiker der Weltliteratur, mit Genuss! Das Buch ist aktueller denn je!

 

Die Zeitung berichtet just in diesem Moment über einen erwarteten Ansturm auf die Aldi-Filialen. Es gibt Desinfektionsmittel, zwei Fläschchen je Person und Einkauf. Eine Sonderaktion. Das muss reichen, um das Virus fernzuhalten. Hahaha...

 

Lassen wir sie gewähren, die Verunsicherten, die Ängstlichen, die seelisch Leidenden. Wahrlich ver-rückte Zeiten, in denen wir leben. Alle sprechen von Corona, und meinem damit in "gleichem Atemzug" nicht das gleichnamige Bier, das es schon lange unter uns gibt, und niemandem Angst "einflößt".

 

Doch keiner oder nur die wenigsten reden vom Lauf- und Wandervirus.  Dabei sind von diesem Virus weitaus mehr Menschen betroffen – und von Tag zu Tag werden es mehr. Und, in den meisten Fällen jedenfalls: Von diesen Viren geht keine ernstzunehmende Gefahr für Leib und Leben aus! Ganz im Gegenteil: Laufen und Wandern, eine Wohltat für Körper und Geist.

 

Auch das Lauf- und Wandervirus kennt verschiedene Patientengruppen. Zum einen gibt es jene, die von beiden Virusformen gleichzeitig betroffen sind. Sie wandern, sie laufen, und beides kombiniert manchmal sogar an ein- und demselben Tag. Und dann gibt es wiederum die anderen, die es bei einem der beiden Virusvarianten belassen. Sie wandern, weil ihnen das Wandervirus jenes Maximum an Befriedigung und Zufriedenheit verleiht, das sie sich einverleiben wollen und können.  Oder aber sie verschreiben sich dem Laufen, und widmen sich voller Inbrunst alleine dieser sportlichen Aktivität. Beide Virusspielarten haben ihre volle Berechtigung.

 

Das Interessante am Lauf- und Wandervirus ist, dass sie sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte gewandelt haben, dergestalt, dass sie sich an ihre Umgebung, ja den Zeitgeist angepasst haben. Viren sind nun mal sehr wanderlustige Wesen.

Das Wander- und Laufvirus hat zunehmend größere gesellschaftliche Schichten erfasst. Nehmen wir nur einmal und aus aktuellem Anlass, den gestrigen Weltfrauentag, das Laufvirus. Die Amerikanerin Katrin Switzer war die erste Frau, die 1967 beim Boston-Marathon über die damals für Frauen verbotene Marathon-Distanz lief, geschützt von zwei (männlichen) Bodyguards und getarnt mit Mundschutz ….pardon Wollmütze und Trainingszug.

 

Ist es nicht verdammt fortschrittlich und schön, dass das Laufvirus bis dato auch ganz viele Frauen befallen hat, ohne Angst vor Repressalien? Ja, ist es!

 

Oder nehmen wir das Wandervirus. Ich erlebe selbst bei meinen Wanderungen, dass dieses Virus zunehmend Jüngere der menschlichen Gattung befallen hat, und es weiterhin tut.

 

Ist es nicht verdammt fortschrittlich und schön, wenn jung und alt, der Facharbeiter und der Anwalt, das Landei und der Stadtmensch, alle vom Wander- und Laufvirus hochgradig befallen, aufeinander treffen – dabei sich nicht nur vom Lauf- und Wandervirus treiben lassen, sondern in nicht seltenen Fällen auch soziale Bindungen knüpfen, die vielleicht sogar ein Leben lang halten? Ja, ist es!

 

 

 

Guten Wochenstart allen, vom Lauf- und Wandervirus befallenen :-)

 

Laufend sonnige Grüße "vom Berg"

 

Uli