Abkürzungen - nein danke!

Ich bin in diesen Tagen vermehrt zuhause. Krankschreibung, etwas "home office" und: Zeit, um über die "wirklich wichtigen Dinge des Lebens" mehr nachdenken zu können, mehr Ruhe zu finden.

 

Just in diesem Moment kontaktiert mich über Facebook ein sog. Mentalcoach und erklärt mir seine Arbeits- und Denkweise. Nach einigen Sätzen hin und her ist mir schnell klar, wir haben zwei ganz unterschiedliche Denkansätze. Eine kollegiale Zusammenarbeit, wie ich sie mit anderen habe und auch anstrebe, wird schwierig, ja unmöglich.

 

Kurzgesagt: Sein Weg ist der der Abkürzung, meiner eher der der Umwege, jener ohne oder mit nur wenig Abkürzungen.

 

Wenn ich das sage, meine ich damit den Lebensweg allgemein und den Sport im Speziellen. Das hat mit meinem persönlichen Weg zu tun.

 

Mein Lebensweg ist sehr oft verschlungen verlaufen. Ein paar wichtige Beispiele. Mein Weg zum Abitur und Studium: Indirekt über zunächst Hauptschule, Gymnasium und Hochschulen 1, 2, und 3. Mein Weg zum Laufen. Indirekt übers Tennis, eine längere Sportflaute in der Pubertät und neben Abitur schließlich Laufen und Triathlon. Der Weg zu meiner "ersten großen Liebe" führte mich über zig gescheiterte kürzere "Beziehungen". Der Weg zum "Wirtschaftspädagogen" führte mich über mein erstes Praktikum im Journalismus, über den Zivildienst und schließlich das Doppelstudium Pädagogik und BWL. Und auch mein Weg zum Lauftherapeuten war kurvenreich. Vom Läufer zur Diplomarbeit im Bereich Lauftherapie und erst verflixte sieben Jahre später zur Weiterbildung "Lauftherapeut". Aber immerhin :-)

 

Wenn mir nun sog. "Mentalexperten" (womöglich auch noch ohne eine fundierte psychosoziale Ausbildung) weismachen (nicht: weißmachen) wollen, dass der direkte Weg mit Abkürzungen der bessere und womöglich einzig goldrichtige ist, habe ich da so meine Zweifel. Gewiss, das "geht" natürlich, man spart Zeit, Nerven und Geld. Ich will diesen Weg deshalb natürlich nicht gänzlich schlechtmachen.

 

Aber kann es das sein? Nein! Dahinter steckt wieder dieses in unserer Zeit sehr verbreitete verhaltensökomonische Denken und Handeln, das mich regelmäßig auf die Palme bringt. Alles muss schnell gehen, immer schneller. Ein, zwei Sitzungen Mentalcoaching, und fertig ist das neue Denkgebäude. Das Paradies ohne Probleme und Sorgen ist erreicht. Ziemlich blauäuigig und ungesund und wenig nachhaltig, oder nicht?

 

Das Laufen und Wandern sind, wie ich finde, mit die beste Metapher dafür, dass der indirekte Weg ohne oder mit wenigen Abkürzungen nicht nur der realistischere ist (es kann nicht immer nach oben gehen, das wissen wir alle), sondern auch jener, der uns stärker macht, der uns mehr über uns und die Welt lehrt, als es der direkte mit Abkürzungen vermag. Das ist meine zutiefste Erfahrung und Überzeugung.

 

Der Stein muss dann eben wieder nach oben gerollt werden, wie in der berühmten griechischen Sage!

 

Und: Umwege erhöhen bekanntlich die Ortskenntnis :-)

 

 


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